Woher kommt die Tätowierung?

Der Ursprung des Tattoos liegt – wie heute vielerseits bekannt – auf einer Inselgruppe im Südpazifik, und zwar den

  • Schifferinseln (Ta-tatau), den
  • Freundschaftsinseln (Tatau, Tatu) und den
  • Gesellschaftsinseln (Ta-Tattorio)

 

Wie kam das Tattoo nach Europa?

Mit der Versklavung und Verschiffung der Eingeborenen nach Europa, die oft und viel tätowiert waren, stand diese Art des Körperschmuckes in Verbindung mit dem Namen der Inseln und leitet den heutigen Begriff ‚Tattoo‘ her, der weltweit Anwendung findet.

Es waren demnach auch die Seefahrer und Schiffer, die als erste selbst Tattoos als Verzierungen von ihren Reisen mitbrachten und bis heute mit diesem Ritual in Verbindung gebracht werden.

 

Welche Bedeutung hatte die Tätowierung bis dahin?

In Europa gab es zwar ebenfalls seit vielen tausenden von Jahren immer wieder Kulten und Riten, die das Tattoo für sich nutzten, doch hatte es zur Zeit der Entdeckung der Tatau in unseren Breitengraden eher die Bedeutung eines Malzeichens.

So wurden

  • Verbrecher
  • Huren und
  • Mörder

 

‚gezeichnet‘, tätowiert, damit – für alle erkennbar – ihre Identität für immer sichtbar war.

Weitere Einflüsse aus der Gesellschaft

Zudem trug Ceasare Lambroso, ein Kriminalpsychiater aus Italien, mit seiner Theorie des ‚Homo Delinquens‘, die das Tattoo als Merkmal und Zeichen des geborenen Verbrechers beschrieb und einem zur Schau gestellten primitiven Charakter zuordnete,

maßgeblich dazu bei, dass sich dieses Bild im Geiste der Gesellschaft etablierte.

So kommt es, dass in den Köpfen mancher Menschen bis heute das Tattoo

  • etwas Verruchtes mit sich bringt
  • etwas Primitives
  • etwas, das Kriminelle und Verbrecher kennzeichnet

 

obwohl diese Riten lange Geschichte sind.

Auf der Grundlage seiner Theorien, die von der Existenz des sogenannten verbrecherischen Gens ausgehen und sich unter anderem

  • am Stand der Augen
  • der Formung des Kinns oder eben
  • entsprechender Tätowierungen orientiert

 

sind mehrere 10.000 Menschen zu Unrecht zum Tode verurteilt worden. Teilweise fußen sogar große Teile der Rasseneugenik des Dritten Reiches auf dieser Lehre.

Wohin solcherlei menschenverachtende Urteile führen, verrät uns ein Blick in die nicht einmal 100 Jahre zurückliegende Geschichte.

Tätowierungen beim Hochadel der 1890er

Trotz aller Vorurteile und Dogmen, die in weiten Teilen der Gesellschaft das Denken der Menschen bestimmte, war das Tätowieren um die 1890er Jahre beim Hochadel modern. Die Anzahl an tätowierten Frauen der New Yorker Oberschicht lag in dieser Zeit bei 75%. In den europäischen Fürstenhäusern waren nahezu alle Angehörigen tätowiert. Und neben König Edward VII, Zar Nikolaus II. und Prinzessin Marie von Orléans war sogar die berühmte Kaiserin Sissi von Österreich tätowiert. Sie trug einen Anker im Nacken. (1, 2)

Die Tätowierung heute

In der Gegenwart des 21. Jahrhunderts, in der die Zeit immer schnelllebiger, Beziehungen unseteter und Arbeitssituationen unsicherer werden, viel Flexibilität und schnelle Entscheidungen gefordert sind, beansprucht die Tätowierung eher den Status des Konservativen.

Denn sie konserviert

  • die Zeit
  • den Moment
  • eine Lebenssituation

 

und wird somit zum Symbol der Sehnsucht nach Verlässlichem, nach Stabilität, nach Beständigkeit.

Sie bringt ein Gefühl mit sich, das mit dem Einbringen in die Haut etwas Unvergängliches repräsentiert; etwas, das für alle Zeit bestehen bleibt, das der Vergänglichkeit entrissen ist und somit dem Trend unserer Zeit entgegenwirkt. (3, 4)

 

Quellen:

(1) Margot Mifflin: Bodies of Subversion. A secret History of Women and Tattoo, 2013

(2) Süddeutsche Zeitung

(3) Oliver Bidlo – Tattoo, Die Einschreibung des Anderen

(4) Youtube.de – Ceasare Lombroso und das Verbrecher-Gen / Prognostik